Essay Schreiben Deutsch Thema

Was ist ein Essay?

Der Begriff „Essay“ (m., auch n.) ist von dem lat. Substantiv exagium abgeleitet, welches einerseits die Tätigkeit des (Ab-)Wiegens (von Gegenständen) und des Abwägens (in Gedanken) bezeichnet, andererseits das Gewicht selbst.

Die Textsorte Essay, heute stets in englischer Schreibung, hat ihren Namen von dem aus exagium hervorgegangenen frz. Substantiv „un essai“ erhalten, welches Versuch, Probe, Experiment bedeutet (zum Verb essayer: versuchen). Essays kann man also als „Gedanken-Experimente“ bezeichnen.

Essays umfassen gewöhnlich nicht mehr als 5 – 15 Seiten.

Geschichte

In den literarischen Briefen der römischen Autoren Seneca
d. J. und Plinius d. J. (beide 1. Jh. n. Chr.) kann man Vorstufen des
Essays sehen. Eigentlicher Begründer der Textsorte Essay ist Michel de Montaigne (1533-1592), dessen „Essais“ seit 1572 entstanden. In seiner Nachfolge verfassten viele europäische Autoren Essays.

Man kann heute zwei Grundtypen des Essays unterscheiden:

  1. Essay als nichtfiktionale literarische Prosa-Textsorte, die in Stil und Gedankenführung allgemeinverständlich ist und der zwanglosen Darstellung von Überlegungen dient;
  2. Essay als erklärende und argumentierende Textsorte ohne literarische Ambitionen, die besonders an angelsächsischen Universitäten verbreitet ist.

Im Folgenden wird der erste Grundtyp beschrieben. Er geht auf Montaigne zurück.


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Themen und Aufbau

Essays werden zu jedem beliebigen Thema geschrieben.

Wie Erörterungen haben auch Essays meist einen dreiteiligen Aufbau:

Einleitung

  • Beobachtung, Verwunderung, Überraschung, Befremden, Ärger des Verfassers (Schreibanlass)
  • Fragestellung

Hauptteil

  • subjektiv geprägte Darstellung, dennoch klare, nachvollziehbare Argumentation
  • nicht neue Tatsachen, sondern neue Sicht
  • Veranschaulichung durch Beispiele, Zitate usw.
  • oft sprunghaft-assoziative Gedankenführung, Abschweifungen und Exkurse

  • kein Anspruch auf vollständiges Erfassen des Themas
  • Wertungen

Schluss

  • Wiederholung der Fragestellung
  • Resümee; oftmals: nicht eine Lösung, sondern mehrere Lösungsmöglichkeiten (vgl. Bedeutung des Begriffs Essay!)
  • Überprüfung der Argumente o.Ä.

Beziehung zum Leser

Essays stellen auf besondere Weise eine Beziehung zum Leser her:

  • Der Verfasser tritt als argumentierendes und wertendes Ich auf, das den Leser, das „Du“, nicht überzeugen will, sondern zu eigenen Reflexionen anregen will.
  • Neugier und Interesse des Lesers werden nicht nur in der Einleitung geweckt, sondern auch den Hauptteil hindurch auf verschiedene Weise aufrechterhalten.
  • Leserbindung im Hauptteil: weitgehender Verzicht auf Wissenschaftlichkeit (nicht: Fußnoten, Quellenanalyse, Sekundärliteratur, Gliederungssytematik usw.); Einfallsreichtum; Abwechslung; Unvorhersehbarkeit; oft Ironie und Provokation.
  • Stilistische Vielfalt

Sprache

Wichtige sprachliche Merkmale des Essays sind:

  • hoher Anspruch, verschiedene Sprachebenen (z. B. poetisch, reportagenhaft, fachwissenschaftlich, alltagssprachlich) – dennoch Verständlichkeit
  • rhetorische Mittel: rhetorische Frage (Leseransprache!), Alliteration, Wiederholungsfiguren, Anspielungen, Metaphern
  • Konjunktiv I und II
  • Modalpartikel (Partikeln zur Abtönung und Relativierung von Aussagen): nur, eigentlich, gewissermaßen, vielleicht, eben, etwa, möglicherweise, ja, schon, sicherlich, wohl, halt, gar, doch u. a. m.

  • einschränkende Nebensätze ( nur dass, außer dass) und konzessive (einräumende) Nebensätze ( obwohl, obgleich, obschon, obzwar, wiewohl, wenn auch)
  • Fragesätze
  • Zitate

Merke!

  • Essays kann man als „Gedanken-Experimente“ bezeichnen.
  • Sie bestehen aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.
  • Essays wollen den Leser zum Nachdenken anregen.
  • Sprachliche Merkmale sind z. B. ein hoher sprachlicher Anspruch sowie die Verwendung von rhetorischen Stilmitteln.

 

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Das Essay ist eine verhältnismäßig freie schriftliche Abhandlung einer bestimmten Frage, die literarischer oder wissenschaftlicher Art sein kann. Gefordert ist die kritische und auch subjektive Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Thema sollte einen aktuellen Bezug haben, bzw. von aktueller Relevanz sein. Aufgabe eines Essays ist nicht nur den Leser zu einer Fragestellung zu informieren, sondern vielmehr ihn zum Nachdenken anzuregen und ihn anzuleiten auf einen Standpunkt oder Sachverhalt einen anderen Blick zu werfen. Dazu soll das Essay nicht zu lang und von einer gewissen Leichtigkeit getragen sein. Es gibt Essays, die:

  • ein bestimmtes Problem lösen.
  • über einen Sachverhalt urteilen bzw. richten.
  • eine bekannte Meinung zu einem Sachverhalt einer kritischen Prüfung unterziehen.

1. Wichtige Eigenschaften eines Essays

  • In der Regel zwischen 5 bis 8 Seiten lang.
  • Folgt einem klaren roten Faden und hat eine nachvollziehbare, gradlinige Argumentation.
  • Präzise und knapp formuliert.
  • Subjektive Meinung ist  – wie bei einer Stellungnahme – enthalten.
  • Details können enthalten sein, sofern sie der Argumentationslinie zuträglich sind. Wichtiges sollte von Unwichtigem getrennt werden.
  • Fußnoten sind nicht üblich, Quellen müssen nicht im Text benannt werden, am Ende des Essays steht ein Literatur-Verzeichnis. Eure eigenen Gedanken und die von anderen Autoren sollten deutlich als solche zu erkennen sein.
  • Es geht NICHT darum eine Thematik oder Fragestellung zu BESCHREIBEN, sondern zu DISKUTIEREN. Dazu müsst ihr euch vor dem Schreiben schon intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
  • Auch das Essay sollte entlang der klassischen Gliederungsbestandteile verlaufen: Einleitung, Hauptteil, Schluss.

Der Essay: Texte und Materialien für den Unterricht *

2. Das solltet ihr beim Schreiben beachten

Angenommen, ihr habt zu eurem Thema 15 interessante Bücher und Aufsätze gefunden und habt am Ende ca. 7 Erscheinungen in der näheren Auswahl. Es ist zwar etwas Arbeit, aber eine perfekte Vorbereitung für euer Essay, wenn ihr im ersten Schritt Abstracts von den wichtigsten Büchern macht. Auf diese Weise habt ihr einen besseren Überblick über die verschiedenen Standpunkte und Informationen, die euren Standpunkt im Essay beeinflussen und begründen.

Erstellt euch ein Konzept, damit ihr nicht am Ende ganz woanders landet als ihr ursprünglich wolltet. Denkt daran, welche Texte euch zum Lesen animieren und welche euch langweilen. Die Einleitung ist sehr wichtig, denn sie zieht die Leser in den Text oder hält sie davon ab, weiterzulesen.

Lest einige Essays um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese Textsorte auf euch wirkt und um euch stilistische Feinheiten abzuschauen. Ein sehr berühmter Essay-Schreiber aus vergangenen Zeiten ist Michel de Montaigne, dessen Texte sehr meinungsstark und unterhaltsam sind. Die Kindle-Version seiner Essay-Edition könnt ihr aktuell kostenlos herunterladen. Enzensberger, Adorno, Walter Benjamin oder Sibylle Berg sind auch sehr geschätzte Essay-Autoren.

3. Grundsätzliche stilistische Tipps

  • Vermeidet Füllwörter!
  • Vermeidet den Nominal-Stil und verwendet stattdessen Verben!
  • Sucht nach präzisen Ausdrücken, statt ausschweifenden Erklärungen.
  • Vermeidet einen zu trocken-wissenschaftlichen-aufgeblähten Stil.
  • Ihr könnt auch rhetorische Fragen nutzen, um den Leser stärker einzubinden.
  • Lasst euer Ergebnis gegenlesen und auf orthographische Fehler und inhaltliche Schwächen prüfen.

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